Archiv für Juli 2007

Hier sind alle: Ungdømshuset!

Momentan befinde ich mich auf der Insel Fyn: in dem Dorf Andebølle: in Dånemark. Ich besuche, geniesse und verfolge das Sommercamp (wobei es den Namen kaum verdient hat) der Socialistisk UngdomsFront, diese sozialistische Jugendorganisation veranstaltet hier ein sogenanntes REVO Camp.. Bis jetzt habe ich als „Team Koepi“ achtmal im Kicker gegen „Team Ungdomshuset“verloren(aber einmal gewonnen) und åhnlich sieht es auch aus, wenn ich die beiden linksradikalen Szenen miteinander vergleiche. In Dånemark gibt es ca. 500 Nazis, von denen 300 vertrottelte Hools sind und nur 200 tatsaechlich organisiert. Die gesamte Naziszene Daenemarks ist infiltriert von einer antifaschistischen Organisation namens Redoxx. Diese bringt alle relevanten, internen Informationen an die Oeffentlichkeit. Es gibt keinen wirklichen Staatsschutz, wie wir ihn in Deutschland kennen, die Polizei interessiert sich eigentlich nur auf Demonstrationen fuer die linke Szene. Die deutsche Polizei, charaktisierten die meisten als hoeflich und freundlich, was auch darin begruendet liegt, dass sich niemand von ihnen jemals mit PolizistInnen auf einer Demo unterhalten hat. Der Schutz fuer dieses Camp, das mitten auf dem platten Land liegt, soll im wesentlichen darauf achten, das kein Feuer ausbricht. Gestern hatten wir eine Nachtwanderung, die sich rollenspielmaessig an den historischen Ereignissen um die Råumung des Ungdomshuset orientierte. Dummerweise wurde ich gleich am Anfang festgenommen, da ich einen Stein zu weit auf ein Stueck Rasen geworfen hatte. Als Polizist hatte ich allerdings, besonders beim finalen Kampf um das besetzte Haus (in Form eines Fussballtores) viel mehr Spass. Mein Plastikschild hat im wesentlichen alle Schaumstoffpflastersteine abgefangen und mein Knueppel (eine hart zusammengerollte, zusammengeklebte Zeitung) hat einige Zecken aus dem Spiel gehauen. So hoffe ich auf ein bisschen schønes Wetter und darauf das am Donnerstag Kickboxen vielleicht doch gemischt-geschlechtlich stattfindet, denn ich wuerde auch gern mal und bis jetzt war es nur fuer Frauen. Am Mittwoch erwartet mich dann ein besonderes Schmanckerl: eine Diskussion ueber den Nahen Osten. Denn eins wurde mir hier schon vermittelt: „We all here, hate Israel.“ Ehrentor fuer Team Koepi.

Schlimmste Parole des Monats

„Für eine emanzipatorische, sich klar antifaschistisch positionierende Jugendkultur!“

Gefunden bei: Autonome Antifa Lichtenberg Süd

Fundstück

Schön was mensch so alles finden kann. Dieses besonders mondäne Fundstück lädt, wie ich finde, zu einem interessanten Spiel ein. Auch um die Publikum- Bühnenbesetzungsbeziehung zu verbessern, sei hiermit eingeladen mir zu verraten in welchem Berliner Bezirk ich diese Einkaufsliste gefunden habe. Unten noch einmal deutlicher.

Obst (Äpfel)
Tomaten/ rote Paprika
Kirschen
Salzgurke
Gurke
Marmeladen
Kaffeebohnen
Joghurt Sahne
Käse/ Créme Fraiche
Milch
Butter
Depuibrot+ Olaf
Wein Zucker
WINDELN
Chips
Schokolade

Alles gehört mir, eine Welt aus Papier

Neben meiner Nikotin-, Internet-, und Cannabissucht sollte ich mir langsam eingestehen, dass ich auch abonnementsüchtig bin. Momentan habe ich als Einzelleser ein Jungle World, eine Phase2 und ein Fluter Abo. Mein Abo der Le Monde Diplomatique ist vor kurzem ausgelaufen und ich habe es nicht nur wegen der Nahostberichterstattung nicht verlängert. In den letzten beiden Tagen habe ich mir 4Wöchige Abos vom Tagesspiegel (wegen den Kinogutscheinen) und von der FAS (weil es umsonst war) anschwatzen lassen.
Das schlimmste daran ist, dass ich meistens das alles auch noch lese und trotzdem weiß ich nicht, warum ich mir immer wieder Probeabos für Zeitungen und Zeitschriften andrehen lasse. Wahrscheinlich ist es das nette Gefühl, überhaupt mal Post zu bekommen oder die Flucht aus meiner eigenen Welt. Aber solange Oma weiter bezahlt…

Phase2 lesen feat. Berlin erleben

U-bahnfahrt 23:25
…Kein Problem, und schön für uns wäre es, „wenn unpatriotische Banden den ganzen Tag das Land kaputt reden“, nur leider ist es so leicht nicht. Schließlich hat sich die Kapitalismus-Debatte bis in die „Disko“ der jungle world verselbständigt, in der man sich – Anknüpfungspunkte suchend – fragt, ob nicht hiermit der Startschuss für ein öffentliches Comeback der Linken gegeben wurde. Derweil lieferte die NPD im Freistaat Sachsen in einer Erklärung zum Wesen und Wollen der „Dresdener Schule“, man wolle sich dem „American Way of Death zur Wehr setzen“. Zum Leid des politischen Profils dieser Partei, hat sie dem Ressentiment aus SPD-Reihen nichts hinzu zu fügen.
Mittvierzigerin mit depraviertem Äußerem und riesiger Sonnenbrille drengt sich in mein Sichtfeld.
„Interesse am Strassenfeger oder vielleicht hast du ein paar Cent übrig?“
„Sorry, gar nichts mit.“
„Schönen Tag noch“
Der deutsche antikapitalistische Reflex beklagt den Exitus des „Modell Deutschland“, das Ende der Volkswirtschaft, in der es angeblich so effizient und gerecht gleichermaßen zuging.
Selbige Person fragt einen Anzugträger bezüglich der Zeitung.
„Interesse am Strassenfeger oder hast du ein paar Cent übrig?“
„Ne!“
„Aber du siehst doch so reich aus.“
„Na guck mal auf meinen Kontostand.“
Charakteristikum dieser Debatte ist, dass man hier auf einen Antikapitalismus trifft, der sich jeder Kritik an bestehenden Verhältnissen entledigt und zum politischen Kampfbegriff derjenigen wird, die die Ursachen nicht im Kapitalverhältnis selbst, sondern, mit Rücksicht auf deutsche Vorlieben, nach personeller Verantwortung für das „Schicksal der Deutschen ArbeiterInnen“ suchen. Hierin liegt vor allem der Versuch einer nationalen Allianz, die sich quer durch alle Schichten, gegen das global entfesselte Kapital, namentlich, die amerikanischen Shareholder, die, wie einst die Juden, in Schwärmen nicht nur über Deutschland, sondern die ganze Welt herfallen, zieht.
Mittvierzigerin spricht ein weiteres Mal den Anzugträger an, nachdem sie es bei allen anderen Fahrgästen vergeblich um eine Spende gebeten hatte.
„Ich wollt dir nur noch mal sagen, dass das ganz schnell gehen kann mit dem Abstieg. Ich hatte mal einen Kosmetiksalon und innerhalb einer Woche bin ich da angelangt, wo ich jetzt bin.“
„Ja, aber dafür kann ich doch nichts. Ich meine, jeder kann sich doch wieder hocharbeiten“
„Ja und das mache ich doch grad. Ich steh‘ hier vor dir und probiere es doch grad.“
„Ich seh das ja jeden Tag in meiner Praxis, das man sich hocharbeiten kann.“
„Hast du ja recht. Mach ich doch grad auch.“
Ende der U- Bahnfahrt. U-Bahnhof, versuche weiter zu lesen.
Diejenigen, die nicht an deutschen Lösungen interessiert sind, halten sich wohl besser fern von solchen deutschen Herausforderungen. Der Fall des Eisernen Vorhangs hat nicht nur die Wettbewerbsverhältnisse verändert, sondern dem derzeitigen „Wachstums-Schlusslicht“ Europa, die Rückkehr zu weltpolitischem Schwergewicht beschert.
Verheulte Zwanzigjährige tönt ihrem Freund zu.
„Von mir aus können die so laut ficken, wie sie wollen.“
Eingebunden war die damalige BRD in die NATO unter US-amerikanischer Federführung. Die wirtschaftliche und politische Westbindung war damals zwingende Grundlage der wiedererlangten nationalstaatlichen Souveränität West-Deutschlands und versprach Schutz gegenüber dem sowjetischen Machtblock. Erste Anzeichen moralischer Aufrüstung folgten…
Eine Gruppe angetrunkener Männer.
„..,weil er eben eine scheiß Schwuchtel ist.“
auf die deutsche Wiederbewaffnung im Rahmen des NATO-Bündnisses.
Ich breche ab.

Sorry Tapete, dass die Phase2 schon uuuuralt ist, nämlich vom Sommer 2005.

und trotzdem…

Von Zeit zu Zeit komme ich mir vor wie ein Briefkasten. Ein richtiger Briefkasten. Ein solcher der im Schweiße seines Angesichts, also verrostet, mit Spinnenfäden- und Weben bedeckt, in der hintersten, meist vollurinierten Ecke eines Altbaues im Prenzlauer Berg darauf wartet. Also faktisch auf alles. Darauf und deswegen, dass sein Besitzer, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein pseudoerwachsener BWL Student aus Stuttgart wenigstens ein einziges Mal in der Woche von der Uni nach Hause oder andersherum bei seinem höchsteigenen Postaufbewahrungskasten vorbeischaut. Dabei interessiert es ihn herzlich wenig, ob der Briefkasten schon wieder eine kleine rostige Stelle in seinem Inneren bekommen hat und damit selbstverständlich sehr zu Kämpfen hat. Es geht dem Briefkastenbesitzer nur um sein eigenes Wohl, er will wissen, ob seine Handyrechnung wirklich so hoch ist, wie er grundpessimistisch wie er schon immer war (schließlich kommt er aus Stuttgart) annimmt. Nur das tangiert ihn, der Briefkasten ist ihm einfach egal und nachdem er sich die 20 Sekunden mit seiner Post auseinandergesetzt hat, während das Türchen des traurigen Briefkasten noch offen stand, genau in dieser kurzen Zeitspanne fühlt sich der Briefkasten gebraucht und wichtig. Er weiß natürlich, dass es dem Stuttgarter nicht um ihn , sondern nur um seine verdammte Post geht. Und dann wartet der Briefkasten wieder eine Woche, ganz allein, verlassen und langsam verrostend im Hausflur in der hinteren, rechten Ecke…