Archiv für Juni 2007

ich möcht ein homo ludens sein.

Infantilismus ist mein favourisierter Zustand der Zukunft. Denn alles ist es wert, zu Grunde zu gehen und im Zuge von schmelzenden Pinguinwohngebieten glaube ich daran, dass es auch bald so kommen wird. Ein Grund mehr, dem kindlichen Treiben und Schaffen mehr Spaß abzugewinnen als diesem ganzen ernsten Scheiß. Streetart vs. Graffitti. AntiD vs. Antiimp. 8 vs. 6.5Milliarden. Holger Burner vs. einfachmaldiefressehalten. Kritik der politischen Ökonomie vs. BWL Studium. Sinn vs. Nichtsinn. Alles boooooooooooooooring. Stattdessen folgt ein Demobericht, der stellvertretend für alle Demoberichte des letzten Jahrzehnts, alle wichtigen Vorkommnisse berichtet und zusammenfasst, die so auf Demos passieren. Für alle die nicht wissen, wie mensch sich da richtig verhält, sei hier noch mal (vollkommen pädagogisch wertvoll) auf die Rote Hilfe Tipps verwiesen.

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Demonstration gegen das und für das Übliche geht los, Flugblätter werden gegen das staatsaffirmative Motto der Demo verteilt.

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Wieder einmal völlig überzogenes Bullenaufgebot, sogar mit Wasserwerfer. Der republikanische Anwaltsverein meldet Bedenken an, ob das offensichtliche Präsentieren der Gerätschaften nicht die DemonstrantInnen provoziert.

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Bullen gehen wiedereinmal völlig überzogen in die Demo rein und kloppen Leute zusammen, wahrscheinlich wegen Seitentransparenten.

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Erste Festnahme um kurz nach halb.

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Demo läuft im Wanderkessel weiter.

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Situation eskaliert, ein Bullenauto geht drauf. Kleiner Riot durch die Innenstadt. Am Ende 20 Festnahmen.

P.S. Sei erwähnt, dass ich dies als eine Fotostory erachte und damit am Ausschreiben teilnehme ohne dabei jemanden anzugucken.

Das große Tim Laumeyer Quiz

Die militanten Auseinandersetzungen auf der Demonstration gegen den G8-Gipfel haben ein enormes Presseecho ausgelöst. In den Zeitungen ist von den schwersten Krawallen der letzten 20 Jahre in Deutschland die Rede, die Aktionen des sogenannten „Schwarzen Blocks“ werden einhellig verurteilt. Weil in dem Chor der Distanzierungen mitunter nicht mehr unterscheidbar war, wer was und warum sagt, hier ein kleines Quiz mit Zitaten der letzten Woche:

1. Die Demonstration:

01. Wir haben gewisse Vorkehrungen verschlafen.

a) Manfred Stenner, Friedenskooperative, Demonstrationsleitung Welt, 4.06.
b) Tim Laumeyer
c) Konrad Freiberg

02. Zum Ende der Demo ist die Situation aber in einem Maße eskaliert, wie wir dies nicht wollten und ausdrücklich verurteilen.

a) Peter Wahl, Attac
b) Tim Laumeyer, JW, 5.6.
c) Monty Schädel

03. Wir dürfen aber nicht alles auf die Polizei schieben.

a) Tim Laumeyer, IL, Berliner Zeitung, 5.6.
b) Claudia Roth
c) Werner Rätz

2. Die Gewalt:

04. Die Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen.

a) Angela Merkel, Welt 4.06.
b) Tim Laumeyer
c) Axel Falkenberg, KAVALA

05. Es war eine Situation, in der keine Worte mehr halfen.

a) Axel Falkenberg, Pressesprecher der Sondereinheit Kavala.
Welt, 4.6.
b) Axel Schulz
c) Tim Laumeyer

06. Militanz heißt, nicht noch die andere Wange hinzuhalten, sondern auch mal zurückzuschlagen. Das wird in den kommenden Tagen sicher passieren. Und das ist auch gut so.

a) Michael Kronawitter, JW, 5.6.
b) Heiner Geissler
c) Tim Laumeyer

07. Wenn mich einer anfasst, dann schlage ich zurück – und wenn es ein Polizist ist, dann schlage ich zurück.

a) Hooligan von HANSA Rostock
b) Heiner Geissler, ehemaliger CDU-Generalsekretär, jetzt Attac-Mitglied, TAZ, 5.6.
c) Tim Laumeyer

08. Die Randalierer waren nur eine kleine Minderheit. Wir wollen keine Gewalt.

a) Monty Schädel
b) Werner Rätz
c) Tim Laumeyer, Mopo, 4.6.

09. Pflastersteine sind keine politischen Argumente.

a) Hugo Müller-Vogg, BILD, 5.6.
b) Tim Laumeyer
c) Axel Falkenberg, KAVALA

3. Die Autonomen:

10. Es war eine wilde Mischung aus Hooligans, Jugendlichen aus der Gegend und Leuten aus dem Ausland.

a) Christoph Kleine, IL, WELT, 4.6.
b) Tim Laumeyer
c) Axel Falkenberg, KAVALA

11. Wenn einer ankommt, mit Kapuze und Palästinensertuch vor dem Gesicht, dann sagen wir dem, er ist unerwünscht.
a) T.O.P. Berlin, Demo, 2.06., Rostock
b) Peter Wahl, Attac, Junge Welt, 5.6.
c) Tim Laumeyer

12. Wir haben in den letzten Jahren auf G8 konzentriert hingearbeitet. Hier wollten wir linke Politik sichtbar machen und die Autonomen aus der Gewaltecke rausholen.

a) Tim Laumeyer, IL, Berliner Zeitung. 5.6.
b) Werner Rätz
c) Pedram Shayar, Attac

13. „… Auf der anderen Seite sollte nicht vergessen werden, dass es in der linksradikalen Szene in der Tat auch Protagonisten gibt, die Strassenschlachten, „Entglasungen“ und ähnliches als politische Ausdrucksform für richtig halten.“

a) Tim Laumeyer, JW, 5.6.
b) Monty Schädel
c) Franz Josef Wagner, Bild

14. Die Polizei hat wahllos zugeschlagen.

a) Wolf-Dieter Narr, Komitee für Grundrechte und Demokratie
b) Michael Kronawitter, ALB
c) Tim Laumeyer, IL, Hamburger Morgenpost, 4.6.

4. Das individuelle Befinden:

15. Es geht mir schlecht.

a) Christoph Kleine IL, Welt, 4.6.
b) Tim Laumeyer
c) Paris Hilton

16. Die Stimmung ist gut.

a) Einsatzleiter der 23. Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei
b) Lea Voigt, Block G8, Junge Welt, 5.6.
c) Tim Laumeyer

17. Mir geht es gut, ich bin kein Polizist.

a) Franz Josef Wagner, BILD, 5.6.
b) Tim Laumeyer
c) Monty Schädel

5. Bündnispolitik:

18. Wir wollen euch nicht sehen, wir wollen euch nicht haben.

a) Peter Wahl, Attac, NDR, 4.6.
b) Tim Laumeyer
c) Tocotronic

19. Den Leuten, die die Zusammenstößen am Samstag vom Zaun gebrochen haben, haben wir jedenfalls gesagt, dass wir sie nicht dabeihaben wollen.

a) Tim Laumeyer, Berliner Zeitung, 5.6.
b) Monty Schädel
c) Claudia Roth

20. Man darf mich hassen, solange man mich fürchtet.

a) David Beckham
b) Claudia Roth
c) Tim Laumeyer

21. Es hat nicht wenige mit klammheimlicher Freude berührt, Berliner Polizisten auch einmal rennen zu sehen.

a) Michael Kronawitter, JW, 5.6.
b) Tim Laumeyer
c) Franz Josef Wagner

22. Ich werde oft beschimpft und sogar bedroht.

a) Nadine, BILD-Montagsmädchen, 4.6.
b) Tim Laumeyer
c) Harald S., Mitglied einer Berliner Einsatzhundertschaft

23. Wer versteckt sich bei Tim?
a) Heiner Geissler
b) Claudia Roth
c) Struppi

Auflösung:
1. Antwort a ist richtig.
2. Antwort b ist richtig.
3. Antwort a ist richtig.
4. Antwort a ist richtig.
5. Antwort a ist richtig.
6. Antwort a ist richtig.
7. Antwort b ist richtig.
8. Antwort c ist richtig.
9. Antwort a ist richtig.
10. Antwort a ist richtig.
11. Antwort b ist richtig.
12. Antwort a ist richtig.
13. Antwort a ist richtig.
14. Antwort c ist richtig.
15. Antwort a ist richtig.
16. Antwort b ist richtig.
17. Antwort a ist richtig.
18. Antwort a ist richtig.
19. Antwort a ist richtig.
20. Antwort a ist richtig.
21. Antwort a ist richtig.
22. Antwort a ist richtig.
23. Antwort c ist richtig.

und dann platzte ihm die Hutschnur.

Hi Freaks!

Freitag nach Rostock ins Camp gefahren, keine Isomatte gehabt. Wirbelsäule global zerstört, nach 2 Plenar in meinem Barrio, schwer entsetzt von meiner Umgebung. Beinahe Schläge von türkischen Stalinisten bekommen, Party mit HedonistInnen gemacht. um 4: 45 Uhr aufgewacht, Grund: Bröckliger Husten eines Menschen im Zelt nebenan. Ab 7 Uhr kein Schlafen mehr möglich. Ausversehen an die falsche Person gekuschelt: Missverständnisse. 9 Uhr aufgestanden: Verzweifelte Suche nach Kaffee. Noch mehr entsetzt vom Zustand der Dixiklos. 10 30 Uhr Fahrt in die City: Innerer Konflikt, wen oder was ich am schlimmsten finde. 4 Stunden Wartezeit, Versuch mir die Zeit zu vertreiben: Flyer „Gegen Antisemitismus in der Globalisierungsbewegung“ im Palästinablock verteilt. Am Rand gechillt und fotografiert. 18 43 wieder nach Hause gefahren. 23:30 bis 1 Uhr, Versucht, so viel von der Berichterstattung im Internet zu erfassen, wie möglich. Weiterhin innerer Konflikt, wie die Ereignisse zu bewerten sind.

Die Mehrheit, nämlich 35 Blogleser_innen hatten gesagt, sie würden nicht zu den G8 Protesten fahren, weil ihnen dort zu viele verrückte Spinner wären, sollte ich in Zukunft nur noch mein Blogpublikum als entscheidungfällende Instanz betrachten?